Gottesdienst zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz

In der Martin-Luther-Gedächtniskirche begehen wir Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27.01.2020 um 19:00 Uhr mit einem Gedenkgottesdienst.

Auschwitz war bis zum Überfall der Deutschen Wehrmacht 1939 ein friedlicher Ort in der gleichnamigen polnischen Landgemeinde. Die günstige Lage im Osten und auch das Vorhandensein eines Eisenbahnanschlusses waren der Grund für den Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei, Heinrich Himmler, an diesem Ort ein Vernichtungslager anzulegen. Die wenigen Bewohner dieser Landgemeinde (meist Juden) wurden in andere Landesteile verschleppt und zum großen Teil ermordet.

Rudolf Höß war von 1940 bis 1943 Kommandant dieses Konzentrationslagers. Nach Kriegsende verhafteten ihn die Briten in Flensburg. Vor dem Nürnberger Kriegsverbrecherprozess machte er umfangreiche und detaillierte Aussagen zu den in Auschwitz begangenen Verbrechen. Er wurde 1947 an Polen ausgeliefert und nach einem Prozess zum Tod durch Erhängen verurteilt. Das Urteil wurde an seiner ehemaligen
„Wirkungsstätte“ in Auschwitz vollstreckt. Bis zuletzt hat er persönliche Schuld an den Verbrechen bestritten und sich auf direkte Befehle durch Himmler berufen.

Die Strafverfolgung der NS-Verbrechen kam in der Bundesrepublik Deutschland nur zögernd in Gang. Erst 1963, also fast 20 Jahre nach Kriegsende, begann die Aufarbeitung des Holocaust. Bis heute lesen wir von Gerichtsverfahren gegen ehemalige SS-Angehörige, die jetzt im Greisenalter sind und den Verhandlungen kaum noch folgen können. Das ist sicherlich rechtlich notwendig, aber ist es auch sinnvoll? Der Rechtsradikalismus in Deutschland ist im Aufwind und die Justiz beklagt sich über zu wenig Personal, um dagegen vorzugehen. Da erscheint es sinnlos gegen einen 93-jährigen zu ermitteln. Man sollte sich stattdessen auf die Gegenwart konzentrieren denn „Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch“ (Bert Brecht: „Arturo Ui”.

Wenn der Vorsitzende der AfD in einem Grußwort an die Junge Alternative
(Nachwuchsorganisation der AfD) , also vor jungen Menschen zwischen 14 und 36 Jahren, den Nationalsozialismus als „Vogelschiss“ abtun kann und andere irregeleitete Menschen den Holocaust leugnen, dann ist eine Grenze überschritten, die nicht toleriert werden kann, denn:

„Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher“

Bert Brecht

Wehret den Anfängen. Eine gefährliche Entwicklung muss man rechtzeitig und wirkungsvoll aufhalten. Mit Adolf Hitler und seinem Marsch auf die Feldherrenhalle in München hat es 1923 angefangen. Als „rechter Spinner“ wurde er verharmlost. Aber aus diesem Marsch ist mehr entstanden als „irgendeines Menschen Schulweisheit sich träumen ließ“.
Am 27Januar 1945 befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Seit 1996 ist dieser Tag der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

Hartmut Wieseke

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