Collage aus Bildern der Gemeinde Marienfelde

Eine von 15: Marienfelde

Die Gemeinden im Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg, eine neue Beitrags-Serie
von Sabine und Klaus Morawski.

Folge 2: Marienfelde 

I. BASISDATEN 

Offizieller Name der Gemeinde: 
Evangelische Kirchengemeinde Marienfelde
Anschrift: Waldsassener Str. 9, 12279 Berlin
Telefon: 755 12 20-0 
E-Mail: kontakt@marienfelde-evangelisch.de
Internet: marienfelde-evangelisch.de 

II. MENSCHEN 

Namen der Pfarrerinnen: Ulrike Senst-Rütenik, Paul Klaẞ 
Anzahl der Gemeindeglieder: 6059 (Ende 2023), Nr. 2 im Kirchenkreis
Anzahl der GKR-Mitglieder: 10 und 2 Pfarrerinnen = 12 
Gemeindebeirat: Nicht vorhanden 

III. GEBÄUDE, GEDRUCKTES 

Orte für Gottesdienste: 
Dorfkirche Alt-Marienfelde 
Kirchsaal DorotheeSölle-Haus 

Gemeindebrief: 
Titel und Auflage der Printausgabe: 
„Gemeindereport“, 1800 Exemplare 
Anzahl Onlineversand: Kein Onlineversand per E-Mail, da Gemeindereport im Netz sofort ins Auge springt 
Anzahl der Prospektkästen für die Verteilung: 5, einer am privaten Gartenzaum (besonders nachgefragt) 

Gesangbuch: Ausgabe für Anhalt, EKBO und Sachsen. Ergänzungsbuch:,,Hohes und Tiefes“ 

IV. BESONDERE ANGEBOTE UND DIENSTLEISTUNGEN 

  • Kita: Dreikönigs-Kita, Kirchstr. 31 (hinter dem Sportplatz am Dorfanger), Dorotheen-Kita, Waldsassener Str. 9, Beide Kitas im Kitaverband, nicht innerhalb der Gemeinde 
  • Seniorenheim, Pflege: Keine eigene Einrichtung, Gottesdienste im benachbar- ten Heim,,Die Hilde“ in der Hildburghauser Straße 
  • Musik und Kultur: 5 Chöre: Singmäuse, Gospel, Pop, Seniorinnen, Kinder Jugend: Jugendarbeit mit Teamern, Down- Under-Party 
  • Erwachsene und Senioren: Seniorenkreis mit Ausflügen und Fahrten
  • Weiteres: Laib und Seele“- Ausgabestelle, Faire Gemeinde 

V. BESUCHSBERICHT 

Treffpunkt Gemeindehaus Waldsassener Str. 9 im Neubaugebiet der 1970er Jahre: ein Flachbau in mediterranen Farben zwischen viel Grün, eingebettet in die typischen ersten Hochhäuser der Vorwendezeit. Eine Kitagruppe mit ihrer Erzieherin strömt fröhlich aus dem Gebäude über den sonnigen Vorplatz zum Ausflug. Der erste Blick fällt auf den prominenten Namenszug der ,,Dorotheen-Kita“. Hier wird sofort klar, dass Kinder einen wichtigen Platz im Gemeindezentrum „,Dorothee-Sölle-Haus“ einnehmen. 

Aus dem ehemaligen Provisorium der in den 1960er Jahren gestarteten Hochhaussiedlung an der Stadtgrenze zur DDR ist nach mehreren Umbauten ein lebendiges und einladendes Gemeindezentrum für alle Generationen geworden. Hier empfängt uns Pfarrer Klaß in der zweitgrößten Gemeinde des Kirchenkreises Tempelhof-Schöneberg. 

Nach der Wende ergaben sich hier neue Anforderungen, insbesondere neuer Raumbedarf für die Kinder einer der beiden Kitas durch den Ausbau der B 101 als Autobahnzubringer. Ein „Familienzentrum“ sollte entstehen. Eine radikal-praktische, aber kluge Entscheidung bot sich an: Die alte Kapelle des Gemeindezentrums wich 2005 einer neuen angebauten Kita und zog in den Folgejahren in den ehemaligen großen Speisesaal des Gemeindezentrums um; mit dem unbestreitbaren Vorteil, dass seitdem immer,,Leben in der Bude“ ist. 

Zentrum des neu konzipierten Gemeindezentrums,,Dorothee-Sölle-Haus“, das später noch durch ein sogenanntes ,,Kinderhaus“ erweitert wurde, ist der zu allen Seiten offene, lichtdurchflutete Kapellenraum. Wir lassen einen Moment dessen freundlich-beruhigende,,,blaue“ Atmosphäre auf uns wirken. Im Inneren des von außen so sachlich wirkenden Glas-Beton-Baus ist mit diesem Raum eine spirituell anrührende, dabei lebensbejahende Ruhe- und Andachtszone entstanden, die sich der Umgebung nicht verschließt. Von der Glaskünstlerin Marie-Luise Dähne wurde eine Glaswand in Blautönen und ein gläsernes Altarbild mit dem Zitat aus Psalm 16, Vers 8b-11 in der Bibelübersetzung in Gerechter Sprache geschaffen. Die filigran-durchsichtige Altar- raum-Ausstattung lässt den freien Blick nach draußen zu. 

Die Namenspatronin des Hauses lächelt den Besucher von der Seitenwand an; eines ihrer Gedichte daneben und ihr Lebenslauf lassen erkennen, dass sich die Beschäftigung mit der streitbaren Theologin, Dichterin und Autorin vieler Bücher lohnt. Die meisten ihrer Werke sind auf der kleinen Galerie mit Leseecke oberhalb des Raums zu finden. Die Gemeinde setzt sich viel mit den Gedanken von Dorothee Sölle (1929-2003) auseinander, es gibt einen regelmäßig stattfinden- den Sölle-Gesprächskreis. Dazu passt auch die besondere Wertschätzung der Musik. Sölle war eine begeisterte Chorsängerin. Die zahlreichen Chorgruppen aller Altersstufen mit vielfäl- tiger Ausrichtung bilden einen hörbaren Schwerpunkt der Gemeinde. 

Gesungen wird hier offenbar viel und gerne. Zwei Gottesdienste bieten jeden Sonntag zusätzliche Möglichkeiten: 9:30 Uhr für Frühaufsteher in der alten Dorfkirche auf dem Dorfanger Marienfelde, anschließend ziehen die Diensthabenden um zum familienfreundlichen 11- Uhr-Gottesdienst im Kapellenraum des Gemeindezentrums, mit regelmäßig anschließendem, konsequent fair ausgerichtetem Kirchencafé. 

Das führt zu einem weiteren bedeutenden Schwerpunkt der Gemeinde: Marienfelde war eine der ersten zertifizierten fairen Gemeinden. Die Rezertifizierung ist gerade wieder gelungen, und die Gemeinde lebt und diskutiert dieses Konzept auch sehr bewusst, auch wenn sich, wie in vielen Gemeinden, finanzielle Grenzen zum Beispiel beim Ziel der CO2-freien Gemeinde auftun. 

Im sich unmittelbar anschließenden sogenannten „Kinderhaus“-Anbau sind weitere Schwerpunkte zu besichtigen. Hier sind nicht nur die Jüngsten aktiv. Gruppenbedürfnisse werden hier ausgelebt. Spiele-Gruppen, Tischtennisgruppen, Gesprächskreise, Singgruppen, ein gemütlicher Extra-Raum für „,Bücher und Gespräche“ mit gut sortierter Bibliothek. Der offenbar große Bedarf für „Laib und Seele“ (Ausgabe-Tag ist der Freitag) findet hier auch seine angemessene Berücksichtigung. 

Im Untergeschoss bietet der attraktive große Jugendkeller,,Down under“ (Kennzeichen Känguru) viel Freiraum und Technikausstattung für Selbstentfaltung. 

Unser Gastgeber Pfarrer Klaß vertritt den Schwerpunkt Jugendarbeit, unterstützt von einem vielseitig begabten Sozialpädagogen. Er stellt uns das Konzept der Gemeinde für die Arbeit mit Konfirmanden vor. Inhaltliches wird konzentriert auf den zwei Konfi-Fahrten unter Mitwirkung von Teamern vermittelt, so dass die anschließenden wöchentlichen Gruppentreffs im Gemeindezentrum flexibler und freier in der Gestaltung bleiben. 
Die große Jugendfahrt führt in diesem Jahr in einen ganz anderen Kulturkreis: nach Süd-Indien, was sicher auch viel Stoff für Vor- und Nachbereitung mit sich bringt.  Pfarrer Klaß betreut die Öffentlichkeitsarbeit und redaktionell das Gemeindeblatt, hier,,Gemeindereport“ genannt: viele lesenswerte Artikel zu festen Rubriken, die in ihrer Tiefe über den üblichen Kurzbericht auffällig hinausgehen. 

Dahinter steckt das Auswahlkonzept der Redaktion mit der Konzentration auf das „Hier und Jetzt“ sowie auf vorausschauende Projekte. Es soll eine Zukunftsorientierung gegeben werden; eine Bilanz-Berichterstattung wird vermieden. Ein interessanter Gedanke: das Leitbild des Nach-Vorn-Schauens im Gemeindebrief! 

Vielleicht ist das gerade für eine Gemeinde wichtig, die ihren zweiten Kirchenraum in einem Denkmal, einer der ältesten – wahrscheinlich sogar der ältesten! – Feldsteinkirchen Berlins verortet; eine beeindruckend lange Vorgeschichte seit Bau durch die Tempelritter (zwischen 1220 und 1230), nach der Ordensauflösung als Zweigstelle der Komturei Tempelhof durch die Johanniter in „Merghenvelde“ genutzt. 

Der massive Turm, die eiszeitlichen Granitfeldsteine, der überwölbte, klar gestaltete Innenraum mit schöner Orgel und natürlich die klassische Lage inmitten des alten Dorfangers am Dorfteich verkörpern viel Tradition. Alljährliches Turmblasen, der Weihnachtsmarkt, die festlichen Ereignisse und Konzerte im dörflichen Ambiente, der altehrwürdige Rahmen für die regelmäßigen Sonntagsgottesdienste sind unverzichtbar und beeindruckend. Aber das aktive, lebendige Herz der großen Gemeinde Marienfelde schlägt nach unserem Eindruck im Gemeindezentrum,,Dorothee-Sölle-Haus“ mit seiner offenen, zukunftszugewandten und einladenden Atmosphäre. Unser herzlicher Dank gilt Herrn Pfarrer Klaß, der uns hier einen eindrucksvollen Einblick vermittelt hat! 

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