Pfarrerin Marika Elena David predigt in Mariendorf Süd

Worte zur Jahreslosung

„Du bist ein Gott, der mich sieht“

1 Mose 16,13

Der Spruch „Du bist ein Gott, der mich sieht“ stammt von der biblischen Frau Hagar, die sich in einer verzweifelten Lage befindet und in dieser Situation einem Engel Gottes begegnet. Hagar war Sklavin bei den sogenannten Erzeltern Abraham und Sarai. Weil Sarai glaubte unfruchtbar zu sein, schickte sie ihren Mann um mit Hagar zu schlafen in der Hoffnung, dass das Paar so durch ihre Sklavin Nachwuchs bekommen könnte. Eine heftige Zumutung aus heutiger Sicht.

Hagar wird schwanger und beginnt – laut Sarai – überheblich zu werden. Vielleicht hatte Hagar als eine Frau komplett ohne Rechte zum allerersten Mal das Gefühl einen gewissen Status zu haben. Sarai bestraft sie jedoch so hart, dass Hagar in die Wüste flieht. Alleine und schwanger auf der Flucht zu sein ist auch heute ein Albtraum für eine Frau. Denn schwanger zu sein bedeutet vulnerabel und schutzbedürftig zu sein und in der Zeit vor über 3000 Jahren, als Frauen ohne einen Mann kaum Chancen hatten zu überleben oder ein Kind zu ernähren, war es umso brisanter.

In dieser Notlage kam ein Engel Gottes zu ihr und fragte Hagar: „Hagar, Magd Sarais Wo kommst du her und wo willst du hin?“ Der Engel wusste also schon wer Hagar ist und stellte die Frage wohl eher, damit Hagar selbst darüber reflektiert. Sie erzählte, dass sie von ihrer Herrin geflohen ist, aber sagt nicht wo sie hingeht. Vermutlich wusste sie das gar nicht, sondern hat impulsiv reagiert und ist einfach weggerannt. Wäre es ein Hollywood Film gewesen, hätte der Engel ihr vermutlich ein neues Leben woanders mit einem neuen tollen Mann versprochen and they lived happily ever after.

Das passierte jedoch nicht, sondern im Gegenteil. Der Engel sagte, dass Sarai zurückgehen und ihre Herrin und die unerträgliche Situation ertragen soll. Gleichzeitig verheißt der Engel aber, dass Hagar´s Sohn stark und ihre Nachkommen zahlreich sein werden. Hagar spürte sofort, dass es Gott ist, der durch den Engel mit ihr sprach und gibt Gott den Namen „Du bist ein Gott, der mich sieht“. Daraufhin ging sie zurück zu Sarai und gebar ihren Sohn Ismael.

Die Begegnung mit Gott führte also nicht zu einer unmittelbaren Veränderung der schwierigen Situation, in der Hagar sich befand. Sie führte aber zu einer Veränderung in Hagar´s Einstellung zu ihrer Lage und dadurch einen anderen Umgang damit. Und die Begegnung lies Hagar spüren, dass sie nicht alleine ist, auch wenn es von außen so aussah.

Manchmal begegnet uns Gott ganz plötzlich und lässt uns wissen, dass er* da ist, dass wir nicht alleine sind. Schwierigkeiten verschwinden dadurch vielleicht nicht gleich, aber innen drin ändert sich was.

Vielleicht sollten wir in schwierigen Situationen öfters um Gottesnähe bitten anstatt um einen neuen Job, eine neue Beziehung usw. zu beten. Denn die Kraft und neue Hoffnung, die Hagar nach der Begegnung in der Wüste in sich trug, führte sicher auch zu Veränderungen in ihrer Lebenssituation mit der Zeit.

Und so bete ich für uns alle, dass wir 2023 merken werden, dass Gott uns sieht.

Amen

Ihre Pfarrerin Marika David

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