Eine neue Orgel für Mariendorf Süd

Ende gut, alles gut!

Manchmal braucht es im Leben ein wenig Geduld, einige Umwege – und am Ende stellt sich heraus: Es sollte genau so sein. So könnte man die Geschichte unserer neuen zukünftigen Orgel überschreiben.

Unsere Kirchgemeinde bekommt eine gebrauchte Orgel der Orgelbauwerkstatt G. Christian Lobback & Co. aus Büren-Steinhausen. Die Werkstatt besteht bereits seit 1964 und hat inzwischen mehr als 200 Instrumente neu gebaut oder restauriert. Ihre Orgeln stehen in Kirchen ganz unterschiedlicher Größe und werden für ihre handwerkliche Qualität und ihre charakteristische Klanggestaltung geschätzt.

Das Instrument, das künftig in Mariendorf Süd erklingen wird, steht derzeit noch in der katholischen Kirche St. Josef in Neu Wulmstorf, nördlich von Hamburg. Dort wurde es 1998 von der Firma Lobback neu errichtet und am 1. Mai 1998 eingeweiht.

Nun wird die Kirche Anfang September profaniert. Die dortige Gemeinde hat sich deshalb schweren Herzens entschlossen, sich von ihrer Orgel zu trennen. Umso schöner ist es, dass das Instrument nun eine neue Heimat findet – und zwar dort, wo es auch künftig regelmäßig im Gottesdienst und bei Konzerten erklingen wird. Die Freude in Neu Wulmstorf ist entsprechend groß: Die Orgel kommt in gute Hände.

Was steckt eigentlich in der „Neuen“?

Auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so viel: zwei Manuale, Pedal und elf klingende Register. Aber hinter diesen Zahlen verbirgt sich ein erstaunlich vielseitiges Instrument.

Die Orgel verfügt über Schleifenwindladen, mechanische Tastentraktur und mechanische Registertraktur, ein geschlossenes Gehäuse sowie eine elektrische Gebläseanlage. Kurz gesagt: viel solide Orgeltechnik – und vor allem viele Möglichkeiten für einen differenzierten und farbenreichen Klang.

Mit ihren elf Registern ist sie von der Größe her ungefähr mit unserer bisherigen Walker-Orgel vergleichbar – nur dass die Lobback-Orgel drei Register mehr zu bieten hat! Das verspricht eine ganze Reihe zusätzlicher klanglicher Möglichkeiten.

Die Orgel soll im Laufe des Oktobers zunächst abgebaut und in die Werkstatt gebracht werden. Dort bekommt sie eine gründliche Überarbeitung: Pfeifen, Windladen und Gehäuse werden gereinigt, die Pulpeten erneuert, die Bälge neu bespannt und ein Register wird für die besonderen Bedürfnisse unserer Kirche modifiziert.

Und dann kommt der spannende Teil: Der Transport nach Berlin und der Wiederaufbau in unserer Kirche. Das wird echte Maßarbeit, denn die Orgel wird von ihrer Höhe her bis dicht unter die Decke reichen. Man darf also schon jetzt gespannt sein, wie die „neue Dame“ in ihrem Berliner Zuhause aussehen wird.

Ein Wiedersehen nach fast 30 Jahren

Besonders schön ist, dass die Orgel bei ihrer Überarbeitung von Menschen betreut wird, die sie gewissermaßen schon von Kindesbeinen an kennen. Der heutige Inhaber der Orgelbauwerkstatt, Herr Franke, war als junger Mann zu großen Teilen am Bau und an der Intonation der Orgel beteiligt. Nun kehrt das Instrument noch einmal in seine Werkstatt zurück – diesmal allerdings nicht für einen neuen Lebensabschnitt in Neu Wulmstorf, sondern für den Umzug nach Berlin.

Nach der technischen Überarbeitung wird die Orgel schließlich in unserer Kirche aufgebaut und dort klanglich an den Raum angepasst. Das ist bei einer Orgel mindestens genauso wichtig wie die richtige Höhe und der richtige Platz: Eine Orgel klingt nämlich nicht einfach überall gleich. Erst wenn Pfeifen, Raum und Akustik miteinander „ins Gespräch“ kommen, entsteht der Klang, den man sich wünscht.

Die beteiligten Orgelsachverständigen des Bistums Hildesheim und der EKBO haben die Qualität des Instruments ausdrücklich hervorgehoben und das Projekt unterstützt. Damit kommt nach Mariendorf eine klanglich und technisch sehr gute Orgel, die hoffentlich auch der nächsten Generation noch viele Jahre gute Dienste leisten wird.

Und diesmal wirklich?

Wer die Geschichte der Orgelsuche in unserer Gemeinde verfolgt hat, weiß: Ganz so geradlinig war der Weg nicht.

Es gab Zusagen, hoffnungsvolle Gespräche und eine andere Orgel, deren Verkauf aus Mitteldeutschland schon beinahe unter Dach und Fach war. Die Verträge waren praktisch unterschriftsreif – und dann kam doch noch der Rückzug der Firma.

Kurz gesagt: Orgel kaufen ist offenbar ein bisschen wie Orgel spielen: Manchmal muss man mehrere Manuale ausprobieren, bevor der richtige Klang entsteht.

Doch nun scheint es tatsächlich zu passen. Und vielleicht musste es genau so kommen. Denn mit der Lobback-Orgel haben wir ein Instrument gefunden, das von seiner Größe, seiner technischen Ausstattung und vor allem von seinem klanglichen Potenzial sehr gut zu unserer Gemeinde und unserer Kirche passt.

Ende gut, alles gut!

Die Orgel kommt – und wird musikalisch begrüßt

Wenn die eng getakteten Abläufe rund um die Renovierungsarbeiten in unserer Kirche und den Orgelumzug planmäßig funktionieren, soll die Lobback-Orgel bereits im November zum ersten Mal für uns erklingen.

Kantor Marco Lemme wird das Instrument mit einem eigenen „Begrüßungskonzert“ vorstellen und dabei seine unterschiedlichen klanglichen Facetten zeigen. Vorgesehen ist derzeit Sonntag, der 8. November, um 15 Uhr.

Auf dem Programm stehen Werke von Dietrich Buxtehude, Jan Pieterszoon Sweelinck, Georg Böhm und Johann Sebastian Bach – Musik also, die geradezu darauf wartet, auf einer solchen Orgel zum Klingen gebracht zu werden.

Da bei einem Orgelumzug dieser Größenordnung bekanntlich immer etwas anders kommen kann als geplant, wird der genaue Termin kurzfristig bekannt gegeben.

Bis dahin heißt es: Daumen drücken, dass Abbau, Reinigung, Transport, Renovierung, Aufbau und Intonation reibungslos ineinandergreifen.

Und dann heißt es hoffentlich bald:

Vorhang auf für unsere neue alte Lobback-Orgel – herzlich willkommen in Mariendorf Süd!

Foto: Bistum Hildesheim

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