Gedanken zum Monatsspruch

November 2026

„Und der Herr wird Recht sprechen zwischen den Heiden und viele Völker zurechtweisen, sodass sie ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden werden und ihre Speere zu Rebmessern; kein Volk wird gegen das andere das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr erlernen.“

Jes2,4 

Eine schöne Vision, schon seit Jahrtausenden!

Jewgeni Wutschetitsch, Held der sozialistischen Arbeit, hat diese Vision in Bronze gegossen und die Sowjetunion hat den Vereinten Nationen diese Skulptur als Zeichen ihres Abrüstungswillens geschenkt (so die offizielle Version. Tatsächlich waren wir damals in der beginnenden heißen Phase des Wettrüstens). Aber so steht sie nun mal seit 1959 in New York! – Abrüstung ist ein harter Brocken. In den 1980ziger Jahren gab es erfolgversprechende Ansätze. Man vernichtete interkontinentale Raketen und Atomsprengsätze. Auch SS20 und Pershing Raketen.

Aber dann scheint etwas schief gelaufen zu sein.-

Käthe Kollwitz (1867-1945) war eine deutsche Zeichnerin, Druckgrafikerin und Bildhauerin. Im Kaiserreich – als Künstlerin der Gosse – verächtlich gemacht, war sie eine der bekanntesten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Sie engagierte sich für soziale Gerechtigkeit, gegen Krieg und Gewalt.

Aber als 1914 der 1. Weltkrieg ausbricht, will der minderjährige Sohn Peter an die Front, um Kaiser und Vaterland zu verteidigen. Dazu braucht er die Einwilligung der Eltern. Der Vater ist dagegen, die Mutter versucht es ihm auszureden, aber als ihr das nicht gelingt, willigt sie schließlich ein und überredet auch den Vater, seine Einwilligung zu geben. Peter fällt 1914 in der ersten Flandernschlacht. Der Verlust verändert ihr Leben und ihr künstlerisches Schaffen. Sie beschließt, ein Denkmal für ihren Sohn zu schaffen. Es entsteht die Skulpturengruppe „Trauerndes Elternpaar“. Sie steht auf dem Soltatenfriedhof in Vladslo im belgischen Flandern, auf dem ihr Sohn begraben liegt.

„Nie wieder Krieg“ plakatierte Käthe Kollwitz 1924 eindrucksvoll, aber ihr Enkel schließt sich den Nazis an und weigerte sich, der „Enkel von Käthe Kollwitz zu sein. Er fällt 1942 in Russland. Eine Kopie des Denkmals „Trauerndes Elternpaar“ wird auf dem Soldatenfriedhof in Resch in Russland aufgestellt.

Unter den Nazis wird Käthe Kollwitz zum Austritt aus der Preußischen Akademie der Künste gezwungen, ihre Kunst als entartet eingestuft. Ausstellen darf sie nicht mehr. In Berlin wird sie ausgebombt, findet Zuflucht in Moritzburg in Sachsen und muss dort noch die Auslöschung von Dresden im Februar 1945 erleben.

Am 22. April stirbt Käte Kollwitz. Sie ruht, zusammen mit ihrem Mann, auf dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde in einem Ehrengrab des Landes Berlin.

Mitglied einer Partei war Käthe Kollwitz nie. Sie hat ihr ganzes Leben dem Kampf gegen den Krieg gewidmet. Und trotzdem: Der Enkel zieht genauso begeistert in den Zweiten Weltkrieg wie sein Onkel in den Ersten.

Die Landschaft Europas ist überzogen von Soldatenfriedhöfen. Tausende von Kriegerdenkmälern beweinen die Gefallenen und preisen ihren Opfermut.

All das hat aber nicht dazu beitragen können, die Welt friedlicher zu machen. Die Gründung des Völkerbundes 1920 oder die der Vereinten Nationen 1945 auch nicht.

„Peace for our time“ verkündete der britische Premierminister Neville Chamberlain am 30. September 1938, als das Münchner Abkommen unterschrieben war. Die Abtretung des Sudetenlandes ist die letzte territoriale Forderung Deutschlands, hatte Hitler darin bestätigt. Eine seiner vielen schamlosen Lügen. Viele heutige Politiker stehen ihm in nichts nach.
Bin ich ein Militarist, wenn ich deshalb den Sonderhaushalt für Verteidigung befürworte?
Irre regierten damals die Welt – und heute wieder.

„Peace for our time“ funktioniert nur, wenn man dem Aggressor entschlossen entgegentritt. Einem kläffenden, Zähne fletschenden Köter den Rücken zukehren und die Flucht nach hinten anzutreten, ist das falsche Signal. 

Hartmut Wieseke

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