Weihanchtshund

Fridolin der Weihnachtshund

Es war einst ein einsamer Schneider namens Bernd. Bernd war täglich damit beschäftigt, Kleider und Anzüge zu entwerfen für pompöse Bälle oder eine Traumhochzeit. Zur Weihnachtszeit war immer sehr wenig los. Zu dieser Zeit bekam Bernd nur Aufträge, bei denen er Stoffe zuschneiden musste. Er sehnte sich sehr nach einer anderen Person, mit der er reden konnte und die ihm zuhören würde.

Eines Tages im Dezember hörte er es vor seinem Haus laut poltern. Als er nachsah, konnte er seinen Augen kaum glauben. Vor ihm, in der umgekippten Mülltonne, steckte ein junger Hund. Als dieser Bernd bemerkte, sah er ihm verängstigt ins Gesicht. Als Bernd das merkte, redete er dem kleinen Hund gut zu: „Na mein Kleiner, was machst du denn hier?“ Der Hund schaute ihn weiterhin verängstigt an und war starr vor Angst. Bernd sagte zu dem Hund: „Warte hier, ich habe im Haus eine Kleinigkeit für dich“. Er ging rein und holte zwei Würstchen. Als er wieder rauskam, war der kleine Hund allerdings wieder weg. Bernd stellte die Mülltonne wieder auf und ging zurück ins Haus.

Am nächsten Tag war er am Arbeiten, als es wieder laut polterte. Diesmal nahm er zur Sicherheit gleich die Würstchen mit. Vor der Haustür am Mülleimer stand wieder der kleine Hund vom Tag davor. Diesmal sprach Bernd sofort zu dem Hund. Diesmal wirkte der Hund auch weniger verängstigt. Er roch die Würstchen und ging schwanzwedelnd auf die
Würstchen zu. Bernd verliebte sich sofort in diesen kleinen Hund. Als er wieder arbeiten gehen wollte, lief der Hund ihm ins Haus hinterher. Bernd drehte sich um und sagte zu dem Hund: „Hast du denn kein Herrchen oder Frauchen, was dich vermisst?“ Der Hund zeigte keine Reaktion, also ließ Bernd ihn erst einmal mit hereinkommen.

Nachdem Bernd am nächsten Tag immer noch von keiner Vermisstenmeldung gehört hatte, ging er mit dem Hund zum Tierarzt. Dieser stellte fest, dass der Hund kerngesund war und leider auch nicht gechippt war. Also nahm Bernd den Hund auf. Er nannte ihn Fridolin. Fridolin hatte sehr dünnes Fell und zitterte, da es draußen kalt war und viel Schnee lag. Darum schneiderte Bernd am zweiten Advent eine Hundejacke für seinen neuen Mitbewohner. Es machte ihm sehr viel Spaß, etwas für ihn zu schneidern.

Am nächsten Tag brachte Fridolin die Zeitung zu Bernd. Sein neues Herrchen war verwirrt und schaute ihn an, dann nahm er die Zeitung. In dieser war eine Anzeige von einer Unterkunft für Obdachlose, die warme Kleidung für die Obdachlosen suchte. Bernd überlegte kurz und schaute Fridolin an und dachte daran, wie sehr es ihm Freude bereitet hat, Kleidung für ihn zu schneidern. Also stand Bernd auf, nahm das Telefon und rief in der Unterkunft an. Dort fragte er nach, wie viel Kleidung diese denn bräuchten. Die Antwort „100 Hosen und Shirts“ brachte ihn kurz zum Schlucken. Dann sagte er, dass er die Kleidung kostenlos als Weihnachtsspende nähen möchte.

Nach einer Woche harter Arbeit war er damit endlich fertig und brachte diese zusammen mit Fridolin zu der Obdachlosenunterkunft. Fridolin zauberte jedem Obdachlosen ein Lächeln aufs Gesicht, sogar den Leuten, die traurig waren. Er ging zu jedem hin und gab sein Pfötchen. Die Obdachlosen waren sehr dankbar und glücklich über diese Spende. Bernd beobachtete die Leute, wie sie sich über die warme Kleidung freuten. Mit einem Lächeln machte er sich dann auf den Heimweg, auf dem er sich Fridolin ansah und sagte: „Ohne dich hätte ich nie erfahren, wie sich die Freude über das Wohl anderer anfühlen kann. Ich danke dir dafür.“ Und Bernd hatte das Gefühl, dass Fridolin ihm zuzwinkerte.

Am 4. Advent und zwei Tage vor Weihnachten wurde er von der Unterkunft zum Weihnachtsessen eingeladen. Zusammen mit Fridolin und einem selbst gebackenen Kuchen, den er als ein kleines Dankeschön am Abend vorher gebacken hatte, machte er sich auf den Weg. Der Raum im Obdachlosenheim war wunderschön geschmückt und alle Obdachlosen saßen dort und strahlten ihn vor Freude an. Sie bedankten sich alle bei ihm. Nach dem Essen stand der Besitzer der Unterkunft auf und sah Bernd an. Er sagte zu ihm: „Als Dankeschön für ihre tolle Arbeit haben wir zusammen gelegt, um ihnen dieses Geschenk zu machen. Der Mann überreichte ihm eine Hundematte und einen selbst gestrickten Schal sowie eine rote Mütze. Bernd kamen die Tränen. Auf dem Heimweg sah er Fridolin an und sagte zu ihm:“Fridolin Du bist mein Weihnachtshund“

Finn Oesterling

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