Abschied von Pfrin. Grund-Kolbinger

Alles im Leben hat seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.
Lachen hat seine Zeit und Klagen hat seine Zeit.

Frei aus dem Buch Kohelet, Kapitel 3

Mithilfe dieser weisheitlichen Verse aus dem biblischen Buch Koholet möchte ich mich mit Ihnen gemeinsam erinnern, und einige Facetten unseres gemeinsamen Weges zum Leuchten bringen. Denn für mich beginnt nun eine Zeit, in der ich in einer anderen Gemeinde Dienst tun werde. Aber bevor ich nach vorne blicke, schaue ich zurück und erinnere mich:

Nach meinem Entsendungsdienst habe ich hier mit Freuden meine erste Stelle angetreten.  Ich habe schon nach kurzer Zeit gespürt, dass ich endlich angekommen bin – in dem Beruf, der mir Berufung ist. Mein Dank gilt Ihnen, liebe Gemeinde. Sie haben es mir leicht gemacht, bei Ihnen anzukommen. Ich habe in all den gemeinsamen Jahren so viel lernen können. Ich habe Einblick in die Vielfalt und Lebendigkeit dieser Gemeinde erhalten können und habe mit großer Leidenschaft mitgewirkt.

Und was haben wir in den letzten Jahren alles gemeinsam bewirkt:

Wir haben sowohl den Jugendkeller umgebaut, als auch das Gemeindeheim brandschutztechnisch auf den neuesten Stand gebraucht. Nicht zuletzt haben wir unsere Kita mit einem Neubau um 37 Plätze erweitern können. Nun beleben weitere Kinder unsere Kita, die mit und von unseren Mitarbeitern liebevoll begleitet, umsorgt und gefördert werden. Kaum war dieses Projekt abgeschlossen, haben wir uns schon dem nächsten zugewandt. Denn auch wir wollen unseren Beitrag zum Klimaschutz leisten und mithelfen, dass Gottes wunderbare Schöpfung bewahrt bleibt. So haben wir uns entschieden, mithilfe einer Wärmepumpe unsere Räumlichkeiten in Zukunft zu beheizen.

Aber natürlich haben wir nicht nur die Gebäude in den Blick genommen. Wir haben unsere Gemeinde, die vielen gar Heimat ist, mit Leben gefüllt. Die unterschiedlichsten Gruppen und Kreise finden hier zusammen und so ist es eine wahre Freude, lautes Stimmengewirr, das immer wieder von Lachen unterbrochen wird, zu vernehmen. Jeder ist willkommen, und kann seinen Platz hier finden. Ob in der Kita, in den Kindergruppen, in der Familienarbeit, im Konfirmandenuntericht oder den Treffen der Jugend, bei den Kreisen und Aktivitäten, im Rosenhof. Denn unser Haus, unsere Gemeinde ist ein Mehrgenerationenhaus und alle gehören dazu. Ich erinnere mich mit großer Freude an die wunderschönen Seniorenadventsfeiern oder Geburtstage, an die Feste auf unserer wunderschönen Gemeindewiese, die eine großartige Gelegenheit bieten, einander zu begegnen und Anteil am Leben des anderen zu gewähren. Und wir haben hier besonders erfahren können, wie schön es ist, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Staunend und bewundernd konnte man die handwerkliche Kunst unserer Gemeindeglieder in den Blick nehmen. Denn unter wissenden Augen und kreativen Händen entstanden wahre Schmuckstücke, die schnell ein zu Hause gefunden haben. Aber ich sehe auch die stolzen Eltern und die fröhlichen Kitakinder vor mir, die Lieder, die sie mit ihren Erzieherinnen eingeübt hatten, vortrugen. Wir haben in Gottesdiensten unsere neuen Konfirmandinnen und Konfirmanden begrüßt, unsere Vorschulkinder verabschiedet, Täuflinge in unsere Gemeinschaft aufgenommen, um Verstorbene getrauert, Verliebte verheiratet und wurden in all unserem Tun und Handeln gehalten und geführt von unserem Gott. In Familiengottesdiensten, Jugendgottesdiensten oder Abendgottesdiensten haben wir gemeinsam zusammengefunden. Wir haben auf das Wort Gottes gehört, unsere Sehnsüchte und Wünsche im Gebet Gott anvertraut und wurden Gottes Liebe und Nähe gewahr. In Wort und durch die Musik.

Auch in den Zeiten von Corona haben wir zusammengehalten und auf Gottes Wort vertraut. Wir sind neue Wege gegangen und haben – verbunden durch das weltweite Netz – Andachten und Gottesdienste gefeiert.

Ja, es gab Zeiten des Lachens und Zeiten des Weinens.

Mit großer Freude habe ich unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden wie unsere Teamer ein Stück ihres Weges begleitet. Ich habe Talente in ihnen entdecken und von ihnen so vieles lernen können. Und ich hoffe, dass auch sie sich gerne an jene Tage zurückerinnern werden.

Unvergessen bleiben in mir auch die Gespräche unserer Freitagsgruppe. Wir haben über Gott und die Welt miteinander diskutiert, einander Ansichten anvertraut, die vielleicht gar zu Einsichten führten und in all unserem Denken dabei immer der Gemeinde gedacht. Zeichen dessen sind Segensfische, Regenschirme, Waffeln oder Marmelade, um Beispiele zu nennen.

Ja, keiner lebt für sich alleine, keine Gruppe existiert nur für sich. So erhalten Täuflinge selbst getöpferte Kerzenhalter, Teamer selbst genähte Handyhüllen oder Freundschaftsbänder und die Gemeinde zur Freude aller Chorgesang. Das ist das besondere an der Gemeinde Mariendorf-Süd.

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit. Und dafür danke ich ihm von Herzen.

Mein Dank gilt auch dem Gemeindekirchenrat, den ich als sehr engagiert und kompetent erlebt habe. Immer wieder war ich angetan und gerührt von der Liebe und Hingabe der einzelnen Ältesten, den vielen Aufgaben, die sichtbar wie verborgen bewältigt werden. In jeder Sitzung, in all dem gemeinsamen Planen und Abwägen konnte ich das Bestreben spüren, für die Gemeinde das Beste erreichen zu wollen.

Ich danke unseren Mitarbeitern, die so leidenschaftlich mitwirken am Wohl dieser Gemeinde. Mit großer Freude widmen sie sich den Menschen unterschiedlichen Alters mit den verschiedenen Fragen des Lebens und begleiten – dabei die Zeit vergessend- die ihnen Anvertrauten. Bereit Neues zu wagen, und doch Bewährtes bewahrend.

Auch danke ich meinen Kollegen, mit denen ich die Hingabe am Pfarrberuf teilen kann. Für die einzelnen Gespräche, den kollegialen Rat, die schönen Ideen, die Unterstützung wie für die gemeinsamen Gottesdienste. Ob zu Beginn des Jahres oder unter freiem Himmel taufend am Blümelteich.

Ich werde ab dem 16. Juni als Pfarrerin in meiner neuen Gemeinde wirken. Ich freue mich auf diese Gemeinde und die mir bevorstehenden Aufgaben, wenngleich ich Sie, meine liebe Gemeinde, vermissen werde.

Pfarrerin Lydia Grund-Kolbinger

Liebe Gemeinde, ich wünsche Ihnen von Herzen alles erdenklich Gute. Mögen Sie stets umgeben sein von dem stärkenden und bewahrenden Segen Gottes.

Es grüßt Sie aus vollem Herzen

Ihre Pfarrerin Lydia A. Grund-Kolbinger

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