Geschichte von der Keramik zum Porzellan

Keramik gehört zu den ersten kulturellen Erzeugnissen der sesshaft gewordenen und ackerbautreibenden Völker. Der Name „Keramik“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet Töpferkunst. Wir verstehen unter Keramik Erzeugnisse aus gebranntem Ton.
Es ist erstaunlich, dass in weit voneinander entfernten Kontinenten und Kulturkreisen gleichzeitig oder in unterschiedlichen Epochen Menschen die gleiche Idee hatten, Tongegenstände herzustellen. Der genaue Zeitpunkt ist unklar, aber man kennt die Ursprungsstätten.
Die ersten Tonerzeugnisse waren einfach und zum täglichen Gebrauch bestimmt. Sie waren aus feuchter, weicher Tonerde geformt und ihre Dekoration beschränkte sich auf Ornamente, die eingeritzt wurden. Da man bemerkt hatte, dass Tonerde durch Feuer hart wurde, sind so die ersten gebrannten Tongegenstände, die Keramik, entstanden.
Anhand der Formen und Dekors lassen sich die Funde zeitlich einordnen. Die erste Keramik aus dem 13. Jahrtausend v. Chr. stammt aus Asien, aus dem 7. Jt. aus China, aus dem 4. Jt. aus Ägypten (Nildelta, zwischen Euphrat und Tigris), aus dem 3. Jt. von den Ufern des Ägäischen Meeres (das sind die Anfänge der europäischen Keramik).

Bereits im 5.Jt. gab es in China schon Töpferöfen und im 3. Jt. Töpferscheiben. Die Ägypter benutzten die Töpferscheibe seit dem Zeitalter der ersten Pharaonen und in Griechenland wird sie schon bei Homer erwähnt.
Die ersten Farbdekorationen (Beige, Braun, Ocker, Schwarz) erzielte man durch Eisenoxid. Um die Gegenstände wasserundurchlässig zu machen, erfand man schon frühzeitig Glasurüberzüge und die Schmelzglasurtechnik.
Aus der Herstellung der primitiven Gebrauchsgegenstände entwickelte sich im Laufe der Zeit ein Kunsthandwerk. So stellten schon im Altertum die Etrusker Terrakottaplastiken als Sarkophagfiguren her. Bei den Ägyptern fand man Gefäße aus feinem, weißenTon mit einer leuchtenden türkisblauen Schmelzglasur.

Die Assyrer, Babylonier und Perser benutzten farbig glasierte Ziegelsteine als Schmuck für ihre Paläste. Diese kunstvolle Verwendung glasierter Ziegel setzte sich bis in die islamische Zeit fort und wir finden sie noch heute in den Moscheen. Man wählte mit Vorliebe Blumenmotive und Farben in Blau, Schwarz, Türkis, Hellgrün und Purpur.
In Griechenland entstanden im 6. Jh. v. Chr. bemalte Gefäße mit Darstellungen aus Mythologie und Heldensagen in Rot, Schwarz, Blau. Auf dem Wege des Tauschhandels gelangten die mit Öl oder Wein gefüllten Flaschen in andere Mittelmeerländer und nach Südrussland.
Die Chinesen hatten im 5. Jh. v. Chr. in der Keramikherstellung schon so viel Erfahrung, dass sie eine Art Steinzeug herstellen konnten. 906 – 618 v. Chr., als die Blüte der Keramik in China war, entstanden reizvolle kleine Menschen- und Pferdeplastiken farbig glasiert. Es gab auch ein porzellanartiges Steinzeug, das „Weiße Porzellan“, welches aber eine Vorstufe des Porzellans war. Erst 1368 – 1644 tauchte in China das erste Porzellan mit blau–weißem Dekor in Unterglasurtechnik auf, das zum Vorbild für die Delfter Fayencen verwendet werden sollte. Ab 1662 entstanden in China reich verzierte Porzellane in grünem und rosa Dekor. Die Chinesen waren große Porzellankünstler.

Das Geheimnis der Porzellanherstellung ist den islamischen Töpfern verborgen geblieben. Sie haben ihren Erfindergeist ganz auf die Keramik und ab dem 9. Jh. auf eine neue Technik, die Lüsterglasur konzentriert. Man kann sagen, dass die islamische Keramik ein wichtiges Bindeglied zwischen Porzellan des Fernen Ostens und der europäischen Fayencen bildet.
Die Lüsterkeramik ist über Spanien nach Europa gelangt. Im 9. Jh. hatten islamische Töpfer auf eine fertig gebrannte Glasur eine dünne Kupfer- und Silberoxidschicht aufgetragen und anschließend eingebrannt. Die Oberfläche erhält dadurch einen gelblich-rötlichen metallischen Glanz. Diese Lüsterkeramik erinnert an Erzeugnisse der Goldschmiedekunst.

Da im Mittelalter die Keramikherstellung in Europa eine bescheidene Rolle gespielt hatte, brachten Importe der Lüsterkeramik in Spanien und Italien einen neuen künstlerischen Aufschwung. Im 16. Jh. bemühte man sich besonders in Florenz, Pesaro und Faenza um Nachahmung der spanisch zinnglasierten Keramik, die in Italien „Majolika“ (nach Mallorca) genannt wurde.
In Faenza war man so erfolgreich, dass man eigene Lüsterkeramik exportierte. Im Ausland, vor allem in Frankreich, nannte man sie „Fayence“ (nach Faenca). Im 17. Jh. entstanden in Frankreich zahlreiche Produktionsstätten für Fayence. Holland wurde führend in der Herstellung der Delfter Fayence und England verstärkte seine Beziehung zu den holländischen Fayenceherstellern. Es kamen auch viele holländische Töpfer nach England. Dort gelang es in 1725 weißes salzglasiertes Steinzeug herzustellen. Mitte des 18. Jh. gelang Josiah Wedgwood die Herstellung von Steingut.
Auch die deutschen Töpfer verstanden sich vorzüglich auf die Herstellung von salzglasierten Steinzeugwaren und das Rheinische Steinzeug wurde weithin bekannt und Gegenstand vieler Nachahmungen.
Als im 16. Jh. die Fayencetechnik nach Deutschland gekommen ist, hat man sie zunächst zur Herstellung von Ofenkacheln verwendet. Mitte des 18. Jh. stellten dann Manufakturen in Dresden, Frankfurt, Berlin und Kiel Fayencen mit chinesischem Dekor her. Später malte man Blumen nach Straßburger Muster.
Zwei Jahrhunderte hatten europäische Keramiker vergeblich nach dem Geheimnis der Porzellanherstellung gesucht. Es kamen Massenimporte von chinesischem Porzellan nach Europa, man baute die heimischen Forschungszentren aus und versuchte, das chinesische Porzellan nachzuahmen.
Endlich, am 28. März 1709, war Johann Friedrich Böttger, ein deutscher Alchimist am Hofe des Kurfürsten von Sachsen, erfolgreich. Ihm gelang zum ersten Mal in Europa die Herstellung von Hartporzellan, das der Qualität des chinesischen Porzellans entsprach.

Porzellan besteht aus Kaolin, Quarz und Feldspat in unterschiedlicher Mischung (Hart- oder Weichporzellan). Es erhält seine Formung durch Drehung und Gießen und wird bei etwa 1400°C gebrannt. Danach wird es mit einer einfarbigen oder bunten Aufglasur versehen und erneut gebrannt. Materialmischung und Brenntemperatur bestimmen die Härte des Endprodukts je nach Verwendungszweck.
1710 gründete August der Starke, Kurfürst von Sachsen, die Porzellanmanufaktur in Meißen, die heute noch besteht. August hatte einen kulturellen und wirtschaftlichen Weitblick. Es ist seinem Kunstverständnis, seiner Bautätigkeit (Zwinger, Grünes Gebäude) und seiner Sammelleidenschaft (Porzellansammlung) zu verdanken, dass Meißen während der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts führend in der Entwicklung des europäischen Porzellans blieb. Man malte zunächst chinesische Blumendekors, dann Dekors im französischen Stil. Die Porzellanfiguren von Johann Kändler sind berühmt geworden.
Es gelang aber nicht in Meißen, das Geheimnis der Porzellanherstellung zu hüten. 1718 entstand eine Manufaktur in Wien und es folgten viele andere: Berlin, Frankenthal, Ludwigsburg, Nymphenberg, Füstenberg in der Schweiz, in Frankreich (Paris, Sèvres…), in Großbritannien, Italien, in den Niederlanden, in Skandinavien.

Die heutige Staatliche Manufaktur Berlin verdankt ihre Existenz der Vorliebe Friedrichs des Großen für Porzellan. Ursprünglich wurde das Unternehmen privat betrieben. Doch 1763 kaufte es Friedrich und nannte es „Königliche Porzellan Manufaktur“ (KPM). Zahlreiche Töpfer und Maler übersiedelten damals aus Meißen nach Berlin.
Vor einiger Zeit hat Hartmut Wieseke für die Wandergruppe eine Führung durch KPM organisiert. Es war sehr interessant und wir konnten sogar den Porzellanmalern über die Schulter schauen, was ich besonders schön fand; denn während unseres mehrjährigen Aufenthaltes in Paris hatten wir auch die Manufaktur in Sèvres besichtigt und ich habe an Porzellanmalkursen teilgenommen, die ich später in Kiel fortgesetzt habe.
Hannelore Krause (Text und Fotos)

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