Glockenturm in der Sonne mit Baumkrone

Gedanken zum Monatsspruch Juli 2026

Dös wär halt was, wenn’s Recht ränn wie ayn Bächerl, de Gerechtigkeit wie ayn Achen!

Hochdeutsch

„Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“

Während das Hochdeutsche wie ein Befehl klingt, kann man der bayrischen Variante sofort entnehmen, dass es sich um eine Vision, einen Traum handelt.

Ja, dös wär halt was. Aber wie bekommen wir das hin? Das Recht steht auch heute noch vielfach nur auf dem Papier und die Gerechtigkeit ist ein dünnes Rinnsal!

Der jüdische Prophet Amos lebte etwa 800 Jahre vor Christus. Er galt als gebildet, war sowohl wohlhabender Viehzüchter als auch Plantagenbesitzer von Maulbeerbäumen. Der Name Amos bedeutet Lastenträger. Koffer und Pakete – das sind Lasten. Aber Verantwortung zu übernehmen, das kann auch eine schwere Last sein. Amos war kein Gepäckträger. Er fühlte sich von Gott berufen, Verantwortung zu übernehmen.

Seine Last bedeutete: Das Volk Israel zum Glauben an den einen Gott zurückzuführen und es davon abzuhalten, Unrecht gegen schwächere Menschen zu verüben.

Eindringlich angesprochen hat er die Reichen und Mächtigen des Landes. Angeklagt hat er Unterdrückung, Korruption, Prasserei und die Ausbeutung der Erde. Die Menschen, in deren Macht es stand, sollten für soziale Gerechtigkeit und Frieden sorgen.

Andernfalls käme der Zorn Gottes über sie.

Aber die Reichen und Mächtigen verlachten und beschimpften ihn, sie jagten ihn sogar außer Landes. Das Leben in Saus und Braus ging weiter. Doch die Prophezeiungen des Amos gingen in Erfüllung und führten schließlich zum Untergang.

Fast 3000 Jahre sind seitdem vergangen. Hat sich irgendetwas geändert? Liest man bei Amos nach, glaubt man, einen aktuellen Artikel im „Spiegel“ oder der „Süddeutschen“ zu lesen. Die Reichen und Mächtigen haben ihre Position erfolgreich behauptet und weiter ausgebaut. Die Schwächeren sind nicht mehr ganz so machtlos. Sie haben sich organisiert, gut aufgestellt und sie können den Oberen einiges abverlangen. Unter großem Wehklagen bekommen sie es auch, aber es sind Brosamen (Krümel), die vom Tisch ihrer Herren fallen (Matthäus 15, 27).

In wirtschaftlich guten Zeiten sind die Krümel etwas größer. Zugegeben, manchmal ist auch ein fetter Brocken dabei. Manchmal sogar eine Kröte, die die Herren schlucken müssen. Doch wenn es schlecht läuft, werden Besitzstände zäh verteidigt. Bricht der Gewinn weg, dann müssen wir sparen und dann muss es die Masse bringen. Und diese Masse – das sind nun mal die Schwächeren. Jüngstes Beispiel: Ein führender Abgeordneter der (christlichen) Unionsfraktion schlägt vor, die Abgeordnetendiäten in diesem Jahr einmalig nicht zu erhöhen. Als Gegenleistung für die Zustimmung zu dieser Änderung des Gesetzes im Bundestag müssten dafür die Sozialleistungen für die Schwächeren dauerhaft gesenkt werden. Der Begriff „Heuchler“ kommt mir dabei in den Sinn. Es ist anscheinend in diesem Land nicht mehr möglich, etwas Sinnvolles zu tun, wenn es dafür keine Gegenleistung gibt. Und wem spielt dieses kleinliche Gezänk in die Hände? Dreimal darfste raten. So geht langsam alles den Bach runter!

Womit wir wieder beim Wasser wären:

Ja, dös wär halt was, wenn’s Recht ränn wie ayn Bächerl, de Gerechtigkeit wie ayn Achen!

Hartmut Wieseke

Anstehende Veranstaltungen

Kategorien